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BERICHT MATTHIAS BISCHOF |
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Der große Traum, irgendwann wieder Fußball spielen zu können
Fußball spielen. Das ist sein großes Hobby. Über den Platz rennen, Gegner austricksen, den Ball abjagen, Tore schießen. Und nach 90 Minuten den Sieg seines Teams SV Röfingen feiern. Über Siege jubeln kann Matthias Bischof oft genug. Nur mitspielen kann er nicht mehr. Mittlerweile steht er nur noch an der Außenlinie, seine Kickschuhe hat er schweren Herzens an den Nagel gehängt. Das Risiko ist zu groß. Es ist nicht die Angst vor Verletzungen, sondern die Gefahr, sich bei Kälte, Regen oder Wind einen Infekt einzufangen. Den kann Matthias nur schwer verarbeiten. Er ist unheilbar krank. Seit seiner Geburt hat er Mukoviszidose.
Auf den ersten Blick wirkt er jünger als ein 17-Jähriger. Er misst nur 1,60 Meter, sein blauer Pullover ist irgendwie zu groß, schlottert an ihm herum. Matthias ist zierlich, fast zerbrechlich. Gerade einmal 45 Kilo hat er auf den Rippen. Dass sein vollgepackter Schulrucksack fast 20 Prozent seines Körpergewichts auf die Waage bringt, darüber hat er sich noch gar keine Gedanken gemacht. "Er ist hart im Nehmen, er trägt seine Last mit Power," sagt sein Vater Hermann. Was er nicht ausspricht: Die schwere Tasche ist ein Klacks gegen das schwere Schicksal.
Mit einem doppelten Darmverschluss kam Matthias als Baby auf die Welt, nur eine Notoperation hat ihm das Leben gerettet. Kurze Zeit später die niederschmetternde Diagnose: Mukoviszidose. Ein halbes Jahr lang verbrachte Matthias im Krankenhaus, was folgte, war eine "brutale Zeit", erinnert sich sein Vater. Nachts bekam der Junge kaum Luft, hatte extreme Hustenanfälle, spuckte Blut, drohte zu ersticken. Die Eltern waren hilflos, immer wieder musste der Notarzt anrücken. Mittlerweile hat Matthias den Husten im Griff, auch, weil er sich spezielle Atemtechniken angeeignet hat. Einmal am Tag muss er inhalieren, 15 bis 20 verschiedene Medikamente schlucken.
Plötzlich springt Matthias auf, marschiert zum Kühlschrank und schenkt sich aus einem Plastikgefäß eine helle Flüssigkeit in ein Glas. Was wie Wasser aussieht, ist eine Salzlösung. Einen Liter in einer halben Stunde muss er trinken. "Es schmeckt nicht", sagt er, verzieht das Gesicht, trinkt aber tapfer weiter. Es hilft gegen seine heftigen Magenschmerzen, die er im Moment hat.
Seine Leber arbeitet nicht mehr normal. Deshalb steht er auch schon auf einer Warteliste für eine Transplantation. Seine Milz sei auch längst überfällig, "Lunge und Herz, toi, toi, toi, arbeiten noch ganz gut", sagt Vater Hermann. Auch, weil Matthias eisern und regelmäßig seine Dehnübungen mache. Um Krankenhausaufenthalte kommt er trotzdem nicht herum. Erst im November war er fünf Wochen lang in Schwabing in der Klinik. Er wurde operiert, weil er Varizen hatte, Krampfadern neben Speiseröhre und im Magen. "Eine war so groß wie ein Tischtennisball", sagt Matthias nüchtern und jongliert wie selbstverständlich mit wissenschaftlichen Fachbegriffen.
Um nicht zu viel in der Schule zu verpassen (Matthias geht in die 10. Klasse Realschule), hat er Unterricht im Krankenhaus bekommen, zumindest in Deutsch, Englisch und Mathe. Eine Klassenkameradin hat außerdem alles für ihn mitgeschrieben und ihm geschickt. Schließlich stehen die Abschlussprüfungen bevor, im März geht es los.
Matthias wird zum Teil im Krankenhaus lernen müssen. Trotzdem will er keine Extrabehandlung in der Schule, besteht nie auf seinem 20 Prozent-Zeitbonus, der ihm bei Klassenarbeiten zusteht. Vater Hermann weiß genau: "Er jammert nie, er strengt sich an wie ein Irrer." Trotz Schwindelanfällen und massiven Konzentrationsschwierigkeiten, gegen die er immer häufiger ankämpft. Einen Ausbildungsplatz hat der 17-Jährige auch schon sicher, als Verwaltungsfachangestellter im Landratsamt. "Da sind Freudentränen geflossen."
Die sind auch fast geflossen, als eines Tages plötzlich Oliver Schmid, Fußballtrainer der TSG Thannhausen, an der Tür klingelte und ihm ein Trikot des TSG-Angreifers Joseph Olumide überreichte. Eigentlich himmelt Matthias den FC Bayern München an, hat sogar eine Saisonkarte. Seit August, als er regelmäßig die Trainingsspiele der TSG verfolgt hat, Balljunge und Hütchenaufsteller war, ist er auch Thannhausen-Anhänger. Dass Olumide jetzt nicht mehr für die TSG spielt, stört ihn nicht.
Matthias' Vater träumt jetzt sogar von einem Benefizfußballspiel - zum Beispiel zwischen der TSG und dem FC Augsburg. Einfach, um die Öffentlichkeit wieder mal auf die Krankheit aufmerksam zu machen. "Mukoviszidose ist in letzter Zeit in Vergessenheit geraten", sagt Hermann Bischof. Auf die Thannhauser ist er schon zugegangen, die Idee sei auf Zustimmung gestoßen.
Matthias würde ein solches Spiel gefallen. Sein Wunsch wäre es, mit dem Erlös mukoviszidosekranken Kindern zu helfen. Insgeheim hegt er aber einen noch viel größeren Wunsch: "Irgendwann will ich selbst mal wieder richtig gescheit Fußball spielen können."
Das ist sein großes Hobby. Und bleibt sein größter Traum.
Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten
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Bericht Marc Hämmerle | Bericht Mijo Stijepic
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